Auf dem Health Data Summit wurde klar, dass das Forschungsdatenzentrum (FDZ) für Gesundheit in Deutschland ein ehrgeiziges Wachstumsprogramm verfolgt. Das Zentrum soll künftig mit künstlicher Intelligenz betrieben werden und Daten aus elektronischen Patientenakten (ePA) nutzen, um sich zu einem europäischen Forschungs- und Analysehub zu entwickeln. Die Vision ist ambitioniert: Pharmazie- und Medizintech-Unternehmen sollen Zugang zu hochqualitativen Forschungsdaten bekommen, um neue Therapien und Produkte zu entwickeln.

Allerdings zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass der Weg dorthin noch längere Zeit dauern wird als erhofft. Vertreter der pharmazeutischen Industrie beschrieben den aktuellen Zustand der Datenverfügbarkeit und Integration als echte Herausforderung. Sie verwendeten den Ausdruck "Ochsentour", um das langsame Voranschreiten zu charakterisieren. Die Probleme liegen sowohl in technischer Infrastruktur als auch in administrativen und regulatorischen Fragen.

Ein Kernproblem ist die Datenqualität. Um aussagekräftige Analysen mit KI durchzuführen, müssen Daten standardisiert, bereinigt und konsistent sein. Viele ePA-Einträge entsprechen noch nicht den strengen Anforderungen für Forschungszwecke. Parallel dazu erschweren Usability-Probleme die Adoption durch Ärzte und Patienten. Wenn die Dateneingabe zu aufwändig oder unintuitive ist, bleibt die Datengrundlage fragmentiert.

Daneben spielt Tempo eine Rolle. Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens schreitet graduell voran, aber nicht so schnell wie technisch möglich wäre. Regulatorische Anforderungen, Datenschutzbedenken und organisatorische Trägheit führen zu Verzögerungen.

Für IT-Dienstleister, die im Gesundheitswesen tätig sind, ergibt sich aus dieser Situation ein Aufgabenfeld: Lösungen für Datenintegration, Datenqualitätsmanagement und sichere KI-Analysen werden zunehmend gefragt. Unternehmen, die hier Expertise aufbauen, können von der langfristigen Transformation des Gesundheitsdatensektors profitieren.