Das Pentagon, das Verteidigungsministerium der USA, hat angekündigt, in den kommenden Jahren rund 30 Millionen US-Dollar in die Entwicklung eines KI-gestützten Lügendetektors zu investieren. Das Projekt zielt darauf ab, mittels künstlicher Intelligenz automatisiert erkennen zu können, ob eine Person die Wahrheit sagt oder lügt.
Der Gedanke klingt zunächst verlockend: Ein automatisiertes System könnte Befragungen effizienter machen, Verdächtige schneller identifizieren und möglicherweise Sicherheitsrisiken im Militär- und Geheimdienstbereich reduzieren. Besonders interessant wäre ein solches System für Sicherheitsüberprüfungen von Personal oder zur Auswertung von Verhören.
Allerdings sind Experten und Wissenschaftler skeptisch. Die Zuverlässigkeit klassischer Polygraphie (Lügendetektoren) ist wissenschaftlich umstritten, und es ist unklar, ob künstliche Intelligenz dies grundlegend verbessern kann. Menschliches Lügenverhalten ist äusserst variabel und kontextabhängig. Eine KI, die auf historischen Daten trainiert wird, könnte Korrelationen finden, die nicht kausal sind, oder systematische Verzerrungen verstärken.
Ein weiteres Problem ist die Frage nach der Fairness und Diskriminierung. Wenn KI-Systeme auf Trainingsdaten trainiert werden, die selbst bereits Bias enthalten, könnten bestimmte Bevölkerungsgruppen zu Unrecht verdächtigt werden. Dies wäre nicht nur ethisch fragwürdig, sondern auch praktisch kontraproduktiv.
Für deutsche und Schweizer Unternehmen ist dies weniger unmittelbar relevant, es sei denn, sie haben Geschäftsbeziehungen zum US-Militär. Allerdings ist es lehrreich: Das Beispiel zeigt, dass auch grosszügig finanzierte KI-Projekte von Regierungen scheitern können, wenn die Grundprämisse fragwürdig ist. Unternehmen sollten sich vor vollmundigen Versprechungen von KI-Lösungen hüten, die scheinbar unmögliche Dinge versprechen.
