Künstliche Intelligenz verändert die Softwareentwicklung tiefgreifend. Viele Entwickler befürchten, dass KI zu schnellerer, aber chaotischerer Codierung führt. Murat Erder, ein Experte im Bereich Softwarearchitektur, zeigt in einem aktuellen Interview, dass es auch anders möglich ist: KI kann in eine strukturierte, architektur-bewusste Entwicklung integriert werden.

Ein besonders interessanter Punkt des Interviews ist das Thema veraltete Dokumentation. In vielen Organisationen ist die Dokumentation der Architektur schlecht aktuell. Entwickler schreiben Code, aktualisieren aber die Dokumente nicht konsequent. Dies führt zu Desinformation: Neue Entwickler verstehen die Architektur nicht korrekt, Entscheidungen werden wiederholt getroffen, und technische Schulden entstehen.

Hier kann KI tatsächlich helfen. KI-Systeme können den aktuellen Quellcode analysieren und daraus automatisch Dokumentation generieren. Sie können Inkonsistenzen zwischen Code und Dokumentation erkennen und auch suggerieren, wie diese zu beheben sind. Allerdings, und das betont Erder, benötigt dies ein strukturiertes Mindset bei den Entwicklern. Die KI funktioniert nur dann optimal, wenn die Codebase selbst kohärent und wohlstrukturiert ist.

Das Konzept der "Continuous Architecture" ist zentral hier. Es bedeutet, dass Architektur nicht einmalig entschieden wird, sondern kontinuierlich überprüft, hinterfragt und verbessert wird. KI kann bei dieser kontinuierlichen Verbesserung eine unterstützende Rolle spielen, indem sie Muster erkennt, Anomalien aufzeigt und Verbesserungsvorschläge macht.

Für Entwicklungsteams in KMU ist dies sehr relevant. Viele dieser Teams kämpfen mit technischen Schulden und veralteter Dokumentation. Ein strukturierter Einsatz von KI-Tools könnte helfen, diesen Ballast abzubauen. Wichtig ist jedoch, dass dies nicht automatisch und blindlings erfolgt, sondern dass Menschen weiterhin die architektonischen Entscheidungen treffen und KI als Werkzeug für bessere Entscheidungen nutzen.