Klaus Müller, Geschäftsführer des Netzwerk-Ausrüsters Jultec, äussert deutliche Kritik an der Netzstrategie deutscher Breitband-Betreiber. Nach seiner Einschätzung halten viele Kabelnetz-Betreiber an veralteten Technologiestandards fest, obwohl modernes Docsis 4.0 bereits verfügbar und implementierbar wäre. Diese Entscheidungsvakuanz führe dazu, dass erhebliche Bandbreitenreserven ungenutzt bleiben.
Docsis 4.0 ist der aktuelle Standard für Hochgeschwindigkeitsinternet über Koaxialkabel-Infrastruktur. Er ermöglicht Bandbreiten im Multi-Gigabit-Bereich, also Geschwindigkeiten von mehreren Gigabit pro Sekunde. Im Gegensatz zu älteren Docsis-Versionen (3.0 oder 3.1) bietet Docsis 4.0 eine deutlich höhere spektrale Effizienz und damit bessere Nutzung des verfügbaren Frequenzspektrums.
Müllers Kritik richtet sich gegen die Trägheit bei der Modernisierung. Viele Betreiber hätten die technische Möglichkeit, ihre Netze auf Docsis 4.0 zu upgraden, doch fehlende Investitionen oder mangelnde strategische Entscheidungen verzögern dies. Dies ist problematisch, weil Konkurrenznetze (etwa glasfaserferne Regionen, die auf Kupfer-Breitband angewiesen sind) dadurch wettbewerbsfähiger werden könnten.
Für Schweizer Dienstleister mit Kunden in Deutschland ist dies relevant: Regionen mit vorsätzlich unterutzer Koax-Infrastruktur könnten beim Breitband-Zugang benachteiligt werden, während Gebiete mit schnellerem Docsis-4.0-Rollout profitieren. Auch für Schweizer Unternehmen mit Betrieb in Deutschland kann langsames Netzausbau zu Effizienzverlusten führen. Die Aussagen von Müller deuten darauf hin, dass es weniger ein technisches als vielmehr ein organisatorisches und wirtschaftliches Problem ist: Betreiber müssen investieren und entscheiden, auch wenn bestehende, ältere Infrastruktur noch funktioniert. KMU in solchen Regionen sollten mit ihren Netzbetreibern aktiv in den Dialog gehen, um schnellere Modernisierung zu erreichen.
