Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten für die Übersetzung und Bewahrung von Minderheitensprachen, die nur von relativ wenigen Sprechern verwendet werden. Moderne KI-Systeme können dabei helfen, kulturelle Inhalte und historische Texte in kleinere Sprachen zu übersetzen oder umgekehrt, was für den Erhalt dieser Sprachen bedeutsam sein kann.

Besonders interessant sind Anwendungen wie die Dokumentation von Plattdeutsch oder Friesisch, Sprachen mit begrenzter digitaler Präsenz. KI-Tools könnten Übersetzungen erleichtern und damit die Erstellung von digitalen Ressourcen unterstützen. Dies fördert den Zugang zu Wissen und die kulturelle Kontinuität für Sprachgemeinschaften, die zahlenmässig schrumpfen.

Jedoch zeigen sich bei praktischen Anwendungen deutliche Grenzen. Die Trainingsdata für KI-Modelle ist bei Minderheitensprachen extrem begrenzt. Dies führt zu systematischen Fehlern und Ungenauigkeiten. Idiomatische Ausdrücke, kulturelle Kontexte und grammatikalische Besonderheiten werden häufig falsch wiedergegeben. Zudem fehlt es oft an ausreichend qualifizierten Annotierern, die korrekte Trainingsdaten bereitstellen könnten.

Für Organisationen, die mit Minderheitensprachen arbeiten, bedeutet dies, dass KI als Hilfsmittel, nicht als Ersatz für menschliche Übersetzer sinnvoll ist. Voraussetzung ist jedoch, dass diese Tools von fachkundigen Nutzern überprüft und korrigiert werden. KMU im deutschsprachigen Raum, die mit Minderheitensprachengemeinschaften in Kontakt stehen, sollten KI-Übersetzungen kritisch prüfen und mit Muttersprachlern validieren, um Qualität und Korrektheit zu gewährleisten.