Die Vereinten Nationen haben erstmals offiziell vor den Gefahren von Neurotechnologie gewarnt. Generalsekretär António Guterres weist auf ein Risiko hin, das bislang wenig öffentliche Aufmerksamkeit erhalten hat: Technologien, die Gehirnaktivitäten auslesen und interpretieren können, könnten von Staaten und anderen Akteuren zur Überwachung und Kontrolle von Bürgern missbraucht werden.

Das Problem ist real und vielschichtig. Neurotechnologien wie Brain-Computer-Interfaces, Hirnimplanate und fortgeschrittene EEG-Systeme ermöglichen es theoretisch, Gedanken, Emotionen und kognitive Zustände zu erfassen und zu analysieren. Während diese Technologien in der medizinischen Forschung und Therapie wertvoll sind, beispielsweise zur Behandlung von Lähmungen oder neurologischen Erkrankungen, eröffnen sie zugleich Überwachungsmöglichkeiten, die bislang in der Science-Fiction beheimatet waren.

Die UN-Warnung zielt auf mehrere konkrete Szenarien: Staaten könnten Neurotechnologie zur Gehirnüberwachung in Gefängnissen oder Geheimdiensten einsetzen. Arbeitgeber könnten Mitarbeiter überwachen. Versicherungen könnten Gehirnzustände erfassen, um Prämien zu berechnen. Selbst Werbetreibende könnten unterbewusste Reaktionen messen und nutzen.

Aus Datenschutzsicht ist dies verheerend: Das Gehirn ist der intimste Ort des Menschen. Gedanken waren bislang durch ihre Unzugänglichkeit geschützt. Neurotechnologie könnte diesen natürlichen Schutz aufbrechen. Es entstehen Fragen, die im europäischen Datenschutzrecht noch nicht adäquat beantwortet sind. Wer besitzt die Daten? Können sie gelöscht werden? Was sind Grenzen der Zustimmung, wenn der Druck gross ist?

Für Unternehmen und KMUs ergeben sich praktische Implikationen. Falls Neurotechnologie in Workplace-Szenarien verbreitet wird, müssen neue Datenschutzrichtlinien etabliert werden. IT-Sicherheit wird ein noch kritischerer Faktor: Ein Datenleck von Gehirndaten ist nicht wie ein Datenleck von E-Mail-Adressen. Es könnte persönlichkeitsvernichtend sein.

Die UN-Warnung ist ein Weckruf, die internationale Gemeinschaft zur Regulierung aufzufordern, bevor Missbrauch systematisch wird.