Das Schlagwort "Digitale Souveränität" ist in der deutschen Wirtschafts- und Politikdebatte präsent, doch wie relevant es im Alltag von Unternehmen wirklich ist, zeigt eine neue Umfrage. Das Ergebnis ist deutlich: Deutsche Firmen sind massiv von Digitalimporten abhängig und könnten ohne diese Importe im Schnitt nur etwa 16 Monate funktionieren.

Diese Abhängigkeit erstreckt sich über mehrere Ebenen: Hardware wie Server, Netzwerk-Equipment und Speichersysteme kommt oft aus Asien oder den USA. Software-Lösungen, Betriebssysteme und Cloud-Services sind häufig von amerikanischen oder multinationalen Anbietern. Halbleiter und spezialisierte Elektronik stammen oft aus Taiwan, Südkorea oder Japan. Selbst wenn ein Unternehmen europäische oder deutsche Anbieter bevorzugt, sind diese oft auf internationale Zulieferer angewiesen.

Die Umfrage zeigt auch, dass viele Unternehmensleiter sich dieser Abhängigkeit bewusst sind, aber nur begrenzte praktische Handlungsmöglichkeiten sehen. Der Grund ist wirtschaftlich naheliegend: Ein vollständiger Wechsel zu europäischen oder deutschen Alternativen in der Digitaltechnik ist heute kaum möglich und würde erhebliche Kosten bedeuten, ohne dass alternative Lösungen in gleicher Qualität verfügbar sind.

Der 16-Monate-Horizont ist bemerkenswert: Das bedeutet, dass deutsche Unternehmen zwar etwas Zeit haben, um zu reagieren, sollte es zu ernsthaften globalen Störungen oder Handelsbeschränkungen kommen. Doch für kritische Operationen ist das nicht lang. Ein Unternehmen, das von US-amerikanischen Cloud-Services abhängt, kann nicht einfach auf europäische Alternativen umsteigen, während Services ausfallen.

Für Schweizer Unternehmen gilt ähnliches. Auch sie sind Teil der gleichen globalen Wertschöpfungsketten und beziehen ihre Digitaltechnik von den gleichen internationalen Anbietern. Der Unterschied: Die Schweiz hat weniger politischen Druck, eine nationale Digitale Souveränität zu schaffen, dient aber gleichzeitig als strategischer Standort für viele internationale Tech-Unternehmen. Das bringt eigene Chancen und Risiken mit sich.

Auf lange Sicht werden europäische Initiativen wie GAIA-X oder europäische Cloud-Anbieter wichtiger. Für Unternehmen bedeutet das: Es lohnt sich, strategisch zu überlegen, welche Abhängigkeiten kritisch sind und wo Diversifizierung möglich ist.