Der deutsche Breitband-Markt wird durch strenge Regulierung und hohe Infrastruktur-Kosten geprägt. Ursprünglich war Glasfaser-Infrastruktur (FTTH für "Fiber to the Home") in Deutschland lange Zeit eine Rarität. Die Telekom und andere Anbieter haben jedoch in den letzten Jahren massive Investitionen in Glasfaser-Ausbauprogramme getätigt. Um die Kapitalbelastung zu verteilen und schneller auszurollen, hat die Telekom das Gemeinschaftsunternehmen "Glasfaserplus" gegründet.

Glasfaserplus baut und betreibt Glasfaser-Infrastruktur in Flächengebieten und stellt diese anderen Providern zur Verfügung. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu stärkerem Wettbewerb, da sonst die Telekom als Single-Anbieter die Preise alleine festlegen könnte. Nun hat 1&1 eine Kooperationsvereinbarung getroffen und beginnt, Glasfaser-Anschlüsse über das Glasfaserplus-Netz an Endkunden zu vermarkten.

Die Geschäftsstrategie von 1&1 ist dabei offensiv: Das Unternehmen unterbietet die Telekom-Preise deutlich und lockt damit potenzielle Kunden mit Ersparnissen von knapp 400 Euro im Vergleich zu äquivalenten Telekom-Angeboten. Dies ist ein klassisches Wettbewerbs-Szenario, bei dem ein Virtueller Network Operator (VNO) durch Effizienz und schlankere Kostenstrukturen bessere Preise anbieten kann.

Für Unternehmen und Haushalte bedeutet dies eine echte Wahlmöglichkeit: Besserer Zugang zu Glasfaser-Internet mit potenziell geringeren Kosten. Für Schweizer KMU-Kunden ist dies weniger direkt relevant, da sie meist über lokale Schweizer Provider versorgt werden. Allerdings zeigt der deutsche Markt strukturelle Muster, die auch in der Schweiz relevant sein könnten: Der Wettbewerb um Infrastruktur-Zugang und Kommerzialisierung führt zu besseren Kundenpreisen. Solche Szenarien unterstützen die Forderung nach stärkerem regulatorischem Druck auf dominante Infrastruktur-Anbieter in der Schweiz ebenfalls.