Ein hochrangiger Manager von ASML, dem führenden Anbieter von Lithografie-Systemen für die Chipfertigung, hat ein durchaus unbequemes Problem angesprochen: Europäische Konzerne investieren nicht ausreichend in die inländische Chipproduktion. Sie kaufen die hochkomplexen Maschinen von ASML nicht in dem Umfang, der nötig wäre, um europäische Fab-Kapazitäten aufzubauen.
ASML ist praktisch ein Monopol-Anbieter für extreme UV-Lithografie (EUV), die notwendig ist, um moderne Chips mit den kleinsten Strukturen zu fertigen. Die Maschinen kosten hunderte Millionen Euro pro Stück. Wer diese Maschinen kauft, demonstriert damit, dass er eine massive Fabrik errichten will.
Der ASML-Manager betont, dass Technologiekonzerne wie Intel, TSMC und Samsung seine Maschinen kaufen, aber europäische Firmen oft nicht. Die Gründe sind vielfältig: fehlende Kapitalausstattung, zu geringe Marktvolumen, geopolitische Unsicherheit über den ROI europäischer Chips.
Dies hat tiefgreifende Implikationen für die europäische Unabhängigkeit in kritischer Technologie. Die EU hat erkannt, dass die Abhängigkeit von Taiwan (wo TSMC fertigt) und Südkorea (Samsung) für Halbleiter ein Sicherheitsrisiko ist. Daher wurden Programme wie der EU Chips Act aufgelegt, um Investitionen zu fördern. Allerdings scheint dieser Mittel bisher nicht ausreichend zu sein, um private europäische Unternehmen zur Investition zu bewegen.
Für Schweizer IT-Dienstleister ist dies relevant als langfristige Versorgungsketten-Frage. Wenn Europa keine eigene Chipfertigungskapazität aufbaut, bleiben Schweizer Unternehmen abhängig von asiatischen und amerikanischen Herstellern, mit allen damit verbundenen Lieferketten-Risiken und geopolitischen Abhängigkeiten. Dies ist kein unmittelbares operatives Problem, aber ein wichtiges strategisches Umfeld für Technologie-Beschaffung.
