Ein neues Kapitel in der Medizin könnte sich öffnen: Das Start-up Radical Numerics hat eigenen Aussagen zufolge ein Pilotprojekt durchgeführt, bei dem künstliche Intelligenz Phagentherapie-Kandidaten entwarf und diese dann einem Patienten verabreicht wurden. Phagen sind spezialisierte Viren, die Bakterien befallen und zerstören, ohne menschliche Zellen zu schädigen.

Phagentherapie ist eine historische Behandlungsmethode, die in der Sowjetunion entwickelt wurde, im Westen aber lange vernachlässigt wurde. Sie ist besonders interessant, um antibiotikaresistente Bakterien zu bekämpfen, was ein grosses Gesundheitsproblem darstellt. Die Herausforderung: Für jede Bacterial-Stammvariante muss man den richtigen Phagen finden oder entwickeln, was zeit- und kostenintensiv war.

Genau hier setzt KI an. Intelligente Algorithmen können die genetischen Strukturen von Phagen analysieren und vorhersagen, welche Kombinationen gegen ein spezifisches Bakterium wirken könnte. Dies beschleunigt die Entwicklung erheblich und könnte Phagentherapie praktikabel machen.

Allerdings gibt es einen wichtigen Vorbehalt: Ob die KI-entwickelten Phagen tatsächlich wirken, ist noch offen. Ein Pilot-Fall bedeutet nicht automatisch, dass die Methode funktioniert. Es braucht klinische Studien, Daten und Verifizierung. Dennoch ist es ein bedeutsames Signal.

Für die IT-Industrie zeigt dies, wie KI in Life-Sciences einzieht. Nicht nur Software und Hardware profitieren von Automatisierung, sondern auch biologische Forschung und Medikamentenentwicklung. Dies eröffnet neue Geschäftsfelder und zeigt, wie wertvoll gute Datenmodelle und Algorithmen in vielen Bereichen sind.