Die Europäische Kommission hat ein Verfahren gegen das Reisebuchungsportal Booking.com eingeleitet. Der Grund ist eine wachsende Welle von Phishing- und Betrugsmails, die Reisende erhalten. Kriminelle nutzen offenbar gestohlene oder kompromittierte Kundendaten von Booking.com, um hochgradig authentisch wirkende Zahlungsaufforderungen zu versenden.

Das Problem ist besonders tückisch, weil Betrüger echte Buchungsinformationen der Opfer haben und diese in gefälschte Mails einweben können. Ein Reisender erhält beispielsweise eine E-Mail, die von Booking.com zu stammen scheint, enthält die korrekten Buchungsdetails, ein bekanntes Logo und eine glaubwürdige Botschaft wie "Bestätigung erforderlich" oder "Zahlung fällig". Nur beim genauen Hinschauen oder durch Sicherheitskenntnisse werden die Unstimmigkeiten sichtbar.

Die EU wirft Booking.com vor, unzureichende Massnahmen zum Schutz dieser sensiblen Daten zu ergreifen. Die Kommission bezieht sich dabei auf die Digital Services Act (DSA), ein neues EU-Gesetz, das grosse Online-Plattformen stärker reguliert. Das Verfahren wird unter der sogenannten "DSA-Enforcement" durchgeführt, was bedeutet, dass die Kommission prüft, ob Booking.com seine Pflichten zur Risikominderung erfüllt.

Konkret fordert die EU von Booking.com, wirksame technische und organisatorische Massnahmen zu implementieren. Dies könnte zum Beispiel bessere Authentifizierung, Datenminimierung (Speicherung weniger persönlicher Daten), verschärfte Zugriffskontrolle oder verbesserte Benachrichtigungsmechanismen bei verdächtigen Aktivitäten einschliessen.

Für KMUs und deren Kunden ist dieser Fall eine Warnung: Auch auf vertrauenswürdigen Plattformen können Daten kompromittiert werden. Nutzer sollten E-Mails von Buchungsplattformen skeptisch prüfen, besonders wenn sie plötzlich Zahlungen fordern. Unternehmen wiederum sollten ihre Datenschutz- und Sicherheitsstandards regelmässig überprüfen. Die DSA zeigt, dass Regulatoren Plattformen zunehmend zur Verantwortung ziehen, wenn sie Nutzerdaten nicht angemessen schützen.