Eine aktuelle Erhebung des Digitalverbands Bitkom zeigt ein frustrierendes Bild: Die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland empfindet die mangelhafte Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung als direkten Wettbewerbsnachteil. Genauer gesagt sind es 75 Prozent der befragten Unternehmen, die diesen Standortnachteil beklagen. Besonders aufschlussreich ist eine andere Zahl aus der Studie: Lediglich zwei Prozent der Unternehmen können ihre Kommunikation mit Behörden vollständig digital abwickeln. Die Mehrheit ist immer noch auf Papierformulare, manuelle Prozesse und persönliche Besuche angewiesen.

Dies hat konkrete Folgen für die Wirtschaftlichkeit: Unternehmen verschwenden Zeit und Ressourcen mit dem Ausfüllen von Papierformularen, dem Versand von Dokumenten per Post, dem Warten auf Genehmigungen und der Klärung von Missverständnissen, die durch unklare analoge Prozesse entstehen. Besonders kleine und mittlere Unternehmen, die nicht wie Grosskonzerne eigene Compliance- und Verwaltungsteams haben, leiden unter diesen ineffizienten Prozessen.

Für Schweizer KMU und die Digitalisierungsbranche hat diese deutsche Erkenntnis eine wichtige Aussagekraft: Es zeigt, dass der Digitalisierungsdruck auf Verwaltungen europaweit existiert. In der Schweiz sind die kantonalen und kommunalen Behörden teilweise weiter fortgeschritten als in Deutschland, aber auch hier gibt es noch erhebliche Potenziale. IT-Dienstleister sollten ihre Kunden dabei unterstützen, ihre Interaktionen mit Behörden zu digitalisieren und zu automatisieren. Gleichzeitig sollten KMU bei ihren Behördenvertreter:innen für schnellere digitale Verwaltungsprozesse eintreten, da dies die Wettbewerbsfähigkeit direkt verbessert. Die digitale Verwaltung ist nicht nur ein Komfort, sie ist ein strategischer Wettbewerbsfaktor.