Digitalpolitik auf europäischer Ebene ist von strategischen Partnerschaften geprägt. Ein prominentes Beispiel ist die geplante Zusammenarbeit zwischen der Bundesregierung, dem französischen KI-Spezialisten Mistral und dem Softwarekonzern SAP. Diese Allianz sollte Europa technologisch unabhängiger von amerikanischen KI-Anbietern machen.

Nun ist dieses Projekt vorerst vom Tisch. Die Bundesregierung hat sich entschieden, die geplante Partnerschaft nicht in der bisherigen Form fortzuführen. Die genauen Gründe wurden nicht vollständig kommuniziert, doch es ist davon auszugehen, dass politische Prioritäten, finanzielle Engpässe oder strategische Neuausrichtungen eine Rolle spielen.

Das Scheitern ist bemerkenswert. Es zeigt, wie fragmentiert europäische KI-Strategie noch immer ist. Während die USA und China massiv in KI-Infrastruktur und -Entwicklung investieren, scheitert Europa mehrfach an der Umsetzung coordin­ierter Vorhaben. Mistral als europäisches Unternehmen hätte symbolisch bedeutsam sein können im Wettbewerb um technologische Souveränität.

Für Schweizer Unternehmen hat dies indirekte Folgen. Je fragiler Europas eigene KI-Kapazitäten bleiben, desto stärker bleibt die Abhängigkeit von amerikanischen Lösungen. Firmen, die KI einsetzen oder entwickeln möchten, werden voraussichtlich weiterhin hauptsächlich auf OpenAI, Anthropic oder andere US-Anbieter ausweichen. Eine echte europäische Alternative hätte Optionen eröffnet. Das Aus für das Mistral-Projekt bedeutet, dass dieser Weg vorerst nicht beschritten wird.

Dies unterstreicht auch für KMUs die Wichtigkeit, sich mit den verfügbaren Lösungen zu befassen, die es gibt, statt auf Alternativen zu warten, deren Realisierung offen bleibt.