Die Justiz erlebt derzeit eine neue Form der Belastung: Anwälte und Parteien nutzen KI-Textgeneratoren, um Schriftsätze zu erzeugen, deren Umfang und Fülle die zuständigen Gerichte überfordert.

Das Problem manifestiert sich besonders deutlich an Sozialgerichten, wo komplexe Regelwerk und spezialisierte Argumentationen erforderlich sind. Statt prägnanter, strukturierter Schriftsätze erhalten Richter teilweise Dokumente von mehreren hundert Seiten, die von generativen KI-Modellen erzeugt wurden. Der Grund liegt auf der Hand: Die KI neigt dazu, umfassend zu sein und dabei unzählige Varianten, Verweise und Wiederholungen einzubauen. Dies vergrössert die Textmenge erheblich, ohne die juristische Kernaussage zu schärfen.

Für Richter bedeutet dies eine erhebliche zusätzliche Arbeitsbelastung. Sie müssen durch die Textflut sichten, um die relevanten Argumente herauszufiltern. Das kostet Zeit und verzögert die Fallbearbeitung. Qualität und Klarheit leiden unter dieser Masse.

Die deutsche Justizministerin hat dieses Problem erkannt und plant Gegenmassnahmen. Eine Idee ist die Einführung von sogenannten strukturierten Parteivorträgen: Vorgaben für Format, Umfang und Struktur von Schriftsätzen, die KI-Systeme automatisch implementieren können oder die vom Gericht durchgesetzt werden.

Für KMUs mit rechtlichen Abteilungen ist dies relevant. Wer Schriftsätze für deutsche Gerichte einreicht, sollte sich bewusst machen, dass reine Masse nicht gefragt ist. Gut strukturierte, prägnante Argumente sind weiterhin das Gold-Standard. KI-Tools können als Hilfsmittel dienen, dürfen aber nicht zur unkontrollierten Textexplosion führen, wenn dies vor Gericht nicht erwünscht ist.