Eine internationale Strafverfolgungsaktion hat gegen einen sogenannten Bulletproof-Hoster zugeschlagen. Der Anbieter Virtualine betrieb Infrastruktur, die gezielt auf die Bedürfnisse von Cyberkriminellen zugeschnitten war und damit eine Art "Schutzraum" für illegale Aktivitäten bot. Jetzt sind die Server und gespeicherten Daten von über 3000 Nutzern in den Händen der Polizei.

Ein Bulletproof-Hoster ist ein spezialisiertes Hosting-Unternehmen, das Kriminellen besondere "Services" bietet: erhöhte Anonymität, Ignoranz gegenüber Abuse-Meldungen, Widerstandsfähigkeit gegen Takedowns, und organisatorische Strukturen, die Strafverfolgung erschweren. Solche Dienste werden typischerweise für Botnetze, Phishing-Infrastructure, Ransomware-Kampagnen und andere Cybercrime-Operationen verwendet.

Virtualine bot seinen kriminellen Kunden klassische Hosting-Dienstleistungen an: virtuelle Server, Speicherplatz und Bandbreite, aber mit der Besonderheit, dass Rechtsverletzungen geduldet oder sogar protegiert wurden. Oft sind solche Hoster in Ländern mit schwacher Rechtsdurchsetzung ansässig, was es echten Behörden schwer macht, dagegen vorzugehen. Die erfolgreiche Aktion gegen Virtualine deutet darauf hin, dass Ermittler wohl einen Weg gefunden haben, die kriminelle Infrastruktur zu identifizieren und zu lokalisieren.

Die Beschlagnahme der Daten ist aus Ermittlungsperspektive hochwertig: Die Nutzer-Daten können Ermittlern helfen, andere an Cybercrime beteiligte Akteure zu identifizieren und zu verfolgen. Dies kann zu Folgeverfahren und weiteren Strafverfolgungserfolgen führen.

Für Unternehmen und IT-Sicherheit im Allgemeinen signalisiert dies: Die internationale Zusammenarbeit gegen Cybercrime wird stärker. Während kriminelle Infrastruktur-Betreiber lange Zeit quasi immun waren, weil Behörden grenzüberschreitend wenig zusammenarbeiten konnten, zeigen solche Erfolgsgeschichten, dass sich das ändert. Dies erhöht das Risiko für Cyberkriminelle und macht ihre Infrastruktur weniger „bulletproof", als sie behaupten.