Die europäische Debatte um digitale Souveränität und unabhängige Cloud-Infrastruktur intensiviert sich. Doch die Realisierung erweist sich als schwieriger als erhofft. Ein konkretes Beispiel ist Schwarz Digits, die Digitalsparte der grossen Schwarz-Gruppe, Eigentümerin von Einzelhandelsketten wie Kaufland und Lidl.

Das Unternehmen wurde gegründet mit dem ehrgeizigen Ziel, europäische Cloud-Infrastruktur bereitzustellen und damit die Abhängigkeit von US-amerikanischen Cloud-Anbietern wie Amazon Web Services, Microsoft Azure oder Google Cloud zu reduzieren. Ein wichtiger Teil dieser Strategie ist auch, dass die Schwarz-Gruppe selbst ein Ankerkunde sein sollte.

Nach aktuellen Berichten von Insidern sieht die Realität jedoch anders aus. Zwar nutzt die Schwarz-Gruppe die Dienste von Schwarz Digits, allerdings zu einem Umfang, der nur etwa zehn Prozent der eigenen IT-Anforderungen deckt. Der Rest der Infrastruktur läuft nach wie vor auf Cloud-Servern in den USA. Dies deutet darauf hin, dass Schwarz Digits entweder nicht in der Lage ist, alle benötigten Services bereitzustellen, oder dass die europäische Alternative nicht ausreichend wettbewerbsfähig ist.

Zusätzlich berichtet wird, dass Schwarz Digits wirtschaftlich kämpft und kaum Gewinne erwirtschaftet. Trotz des starken Eigentümers ist es schwierig, gegen etablierte internationale Cloud-Giganten konkurrenzfähig zu sein, die enorme Investitionen in Infrastruktur, Forschung und Kundenbeziehungen getätigt haben.

Dies verdeutlicht ein zentrales Problem der europäischen Digitalpolitik: Das blosse Vorhandensein einer Alternative ist nicht ausreichend. Eine Cloud-Infrastruktur muss zuverlässig, kostengünstig, benutzerfreundlich und innovativ sein, um Kunden zu überzeugen, von etablierten Anbietern zu wechseln. Für KMU bedeutet dies: Achten Sie darauf, dass lokale oder europäische Cloud-Lösungen tatsächlich den gleichen Standard bieten wie internationale Anbieter, bevor Sie wechseln.