Die internationale Zeitkommission hat eine bahnbrechende Entscheidung getroffen: Die bisherigen Schaltsekunden werden abgeschafft und durch Schaltstunden ersetzt. Dies ist eine fundamentale Änderung in der globalen Zeitmessung, die weitreichende Auswirkungen auf Computersysteme und kritische Infrastrukturen haben wird.

Seit Beginn der Koordinierten Weltzeit (UTC) im Jahr 1972 wurden insgesamt 27 Schaltsekunden eingeführt, um die atomare Zeitmessung mit der tatsächlichen Erdrotation in Einklang zu halten. Die Erde rotiert nämlich nicht absolut gleichmässig; ihre Rotationsdauer variiert leicht. Schaltsekunden sollten diese Diskrepanz ausgleichen und sicherstellen, dass die UTC nicht zu stark von der astronomischen Sonnenzeit abweicht.

Das Problem mit Schaltsekunden ist jedoch, dass sie für Computersysteme massive Herausforderungen darstellen. Bei jeder Schaltsekunde müssen komplexe Systeme, darunter Finanzplattformen, Telekommunikationsnetze und Sicherheitssysteme, Speziallogik implementieren, um mit dieser zusätzlichen Sekunde umzugehen. Dies führte bereits zu mehreren Systemausfällen und Bugs in der IT-Welt.

Das neue System mit Schaltstunden würde deutlich seltener greifen als Schaltsekunden. Statt regelmässig alle ein bis zwei Jahre eine Sekunde einzufügen, würde eine ganze Stunde erst nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten notwendig. Dies reduziert die Belastung für Softwaresysteme erheblich.

Der Übergang wird jedoch Zeit brauchen und erfordert Updates bei vielen IT-Systemen. Der Umlauf-Prozess zur Implementierung wird sich über mehrere Jahre erstrecken, damit sich alle Systeme entsprechend anpassen können.

Für Schweizer IT-Dienstleister ist dies eine wichtige Ankündigung für Zukunftsplanungen. Systeme, die zeitkritische Operationen durchführen, müssen langfristig auf das neue System umgestellt werden. Dies betrifft vor allem Finanzunternehmen, Datenanbieter und Infrastruktur-Betreiber, die auf Zeitsynchronisation angewiesen sind. Unternehmen sollten bereits jetzt ihre Architekten und Entwickler informieren und mit der Planung von Updates beginnen.