Freenet hat seine Anteile an Exaring erhöht und übernimmt damit vollständig den Medien- und Infrastruktur-Konzern. Der Schritt war überraschend, da Exaring bisher einen Börsengang angestrebt hatte. Mit der Komplettübernahme ändert sich die Strategie: Statt eines IPO folgt Integration in den Freenet-Konzern.
Exaring ist nicht nur ein Streaming-Service. Das Unternehmen betreibt das beliebte Fernsehstreaming-Portal Waipu.tv und besitzt ein Glasfasernetz mit etwa 12.000 Kilometern Länge. Dieses Netzwerk verbindet regionale Haupt- und Sekundärkabel und ist ein strategischer Vermögenswert. Mit dem Netz kann Freenet unabhängiger von anderen Netzanbietern werden und sein Internetangebot kontrollieren.
Waipu.tv ist ein attraktives Geschäftsmodell: Nutzer zahlen ein Abonnement, um lineares Fernsehen und Live-Inhalte zu streamen. Dies ist eine Gegenperspektive zu reinen On-Demand-Services und bedient einen stabilen Kundenstamm. Mit der Übernahme werden Streaming und Netzbetrieb näher zusammengebracht, was Synergien ermöglicht.
Für das IT-Ökosystem ist dies relevant: Unternehmen mit eigener Infrastruktur können sich unabhängiger von grossen Plattformanbietern machen. Dies ist besonders in Europa wichtig, wo Digitale Souveränität ein Ziel ist. Das Glasfasernetz kann Freenet auch Wholesale-Services anbieten, also anderen Providern Netzkapazität vermieten. Für Schweizer KMUs mit Internet-Anforderungen bedeutet dies: Europäische alternative Anbieter gewinnen an Unabhängigkeit und Kapazität.
