Volkswagen arbeitet unter der Leitung von Markenchef Schäfer daran, seine Softwareentwicklung global zu harmonisieren. Ein konkreter Schritt ist die Übernahme der mit Xpeng Co-entwickelten Software-Architektur aus dem chinesischen Markt für europäische Fahrzeuge. Das ist strategisch bedeutsam, weil Auto-Software heute der differenzierende Faktor zwischen Herstellern ist. Von der Benutzeroberfläche über Fahrerassistenzsysteme bis zu Update-Mechanismen: Alles ist Software.
Die Zusammenarbeit mit Xpeng ist nicht neu, aber jetzt soll das Wissen über den chinesischen Markt hinaus expandiert werden. Das macht Sinn: China ist ein Labormarkt für fortgeschrittene Auto-Software. Xpeng gilt als einer der innovativsten Anbieter auf diesem Gebiet, insbesondere in Autonomie und KI-basierter Fahrerassistenz. Wer dort erfolgreich ist, kann auch in Europa konkurrieren, zumal europäische Kunden durchaus bereit sind, chinesische Software-Innovationen zu akzeptieren.
Allerdings gibt es auch Komplexitäten: Europa und China haben unterschiedliche Regulatorische Anforderungen. Deutsche Verkehrsregeln, EU-Datenschutz, Cybersecurity-Standards sind anders als in China. VW wird daher nicht einfach die chinesische Software kopieren können, sondern muss sie adapting. Das ist Aufwand, aber effizienter als komplett von Grund auf neu zu entwickeln.
Für Schweizer IT-Dienstleister, die in der Automobil-Branche tätig sind, ist dies ein Signal: Software-Architektur wird zunehmend global konzipiert. Regional-spezifische Anpassungen werden erwartet, aber die Basis-Plattform ist global. Dies bedeutet auch, dass KMUs, die auf regionale Auto-Lieferanten abzielen, zunehmend globale Anforderungen verstehen müssen.
Gleichzeitig zeigt dies auch die strategische Abhängigkeit europäischer Autohersteller von Software-Innovationen aus dem Ausland. Volkswagen ist gut genug kapitalisiert, um mit Xpeng zu kooperieren. Kleinere Hersteller haben weniger Optionen und müssen stärker auf europäische Software-Partner setzen oder gar komplette Plattformen von Tesla oder anderen übernehmen. Dies könnte langfristig zur Konsolidierung und weniger Konkurrenz in der Auto-Industrie führen, was höhere Preise und weniger Innovation bedeutet.
