Der Boom um künstliche Intelligenz und Rechenzentrums-Kapazität hat ein neues Phänomen ausgelöst: organisierte Diebstähle von Server-Hardware während des Transports. Cyberkriminelle haben Methoden entwickelt, Lieferungen von wertvollen Rechenzentrums-Komponenten abzufangen, bevor sie ihre Bestimmung erreichen. Diese Entwicklung unterstreicht, dass Cyber-Bedrohungen nicht nur digital sind, sondern auch physische Lieferketten betreffen.

Die Vorgehensweise ist bemerkenswert technisch versiert. Die Täter manipulieren GPS-Daten und fälschen Frachtdokumente, um Lieferwagen dazu zu bringen, an falschen Orten zu halten, oder um den Eindruck zu erwecken, dass Lieferungen an den vorgesehenen Ort gelangt sind. Dies erfordert nicht nur technisches Know-how im Bereich von GPS-Spoofing und Dokumentenfälschung, sondern auch gute Kenntnisse über Logistik-Prozesse und möglichweise auch Insider-Informationen aus den Lieferketten.

Der Umfang des Problems ist beachtlich. Seit Juni 2026 wurden Rechenzentrums-Komponenten im Gesamtwert von über 100 Millionen US-Dollar gestohlen. Dies zeigt, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern um ein systematisches Problem. Server-Hardware für KI-Rechenzentren ist derzeit extrem teuer und sehr nachgefragt, was die Server am Schwarzmarkt wertvoll macht. Die Täter könnten die Geräte direkt zu anderen Datenzentern transportieren oder über Zweitmarkt-Kanäle verkaufen.

Dies hat Auswirkungen auf die gesamte Cloud- und KI-Industrie. Rechenzentren-Betreiber müssen ihre Sicherheitsmassnahmen überdenken. Auch Unternehmen, die Komponenten beschaffen, sollten verstärkt auf die Herkunft ihrer Hardware achten, um nicht versehentlich gestohlene oder manipulierte Geräte zu erhalten. Für KMU bedeutet dies auch, dass Cloud-Services möglicherweise knapper oder teurer werden, da Lieferkettenprobleme die Verfügbarkeit von Rechenkapazität einschränken könnten.