Europa droht der nächste Engpass bei der Elektronik-Produktion: Leiterplatten, im Englischen PCBs (Printed Circuit Boards) genannt, werden knapp. Das Problem betrifft die gesamte Elektronik-Industrie, denn PCBs sind fundamentale Komponenten in praktisch jedem elektronischen Gerät, vom Smartphone über Server bis zu Industriesteuerungen.

Der Grund für diesen Engpass ist mehrschichtig. Zum einen gibt es auf dem Kontinent nur noch sehr wenige Hersteller von Leiterplatten. Die meisten Kapazitäten sind nach Asien verlagert worden, wo kostengünstiger produziert werden kann. Diese Konzentration macht Europa abhängig von internationalen Lieferketten. Zum anderen entstehen Engpässe auch upstream in der Lieferkette: Die Rohstoffe für PCB-Herstellung, insbesondere Epoxidharz und Glasgewebe, sind selbst bereits schwer zu bekommen.

Epoxidharz ist das Bindemittel, das die Faserlagen zusammenhält und die mechanische und elektrische Integrität der Platine sichert. Glasgewebe bildet die Verstärkung. Beide Materialien sind spezialisierte Chemikalien beziehungsweise Faserprodukte, deren Herstellung komplex ist und oft von wenigen Anbietern dominiert wird. Lieferengpässe bei diesen Grundstoffen wirken sich direkt auf PCB-Produktion aus.

Für KMU und grössere Unternehmen, die auf Elektronik angewiesen sind, ist das ein ernstes Problem. Wer zum Beispiel eigene Geräte oder Systeme entwickelt oder produziert, könnte mit längeren Lieferzeiten und möglicherweise höheren Kosten rechnen. Das macht es umso wichtiger, frühzeitig mit Lieferanten zu kommunizieren und Engpässe in der Lieferkette zu identifizieren. Manche Unternehmen erwägen auch, Bestände aufzubauen oder alternative Lieferanten zu evaluieren, um unabhängiger zu werden.