Ein Bericht zur digitalen Souveränität Europas zeichnet ein besorgniserregendes Bild: Bei vielen der wichtigsten digitalen Infrastrukturen und Dienste, die das moderne Wirtschaftsleben prägen, ist Europa nicht Anbieter, sondern Nutzer ausländischer Plattformen.

Betriebssysteme wie Windows und iOS dominieren den Markt, wobei iOS von Apple (USA) und Windows von Microsoft (ebenfalls USA) kommen. Linux und europäische Alternativen spielen im Massenmarkt kaum eine Rolle. Suchmaschinen werden von Google beherrscht. Cloud-Dienste sind fragmentiert zwischen AWS (Amazon), Microsoft Azure und anderen internationalen Playern, europäische Alternativen sind Nische. Diese Abhängigkeit bedeutet nicht nur wirtschaftliche Kontrolle, sondern auch Fragen bezüglich Datenschutz, Souveränität und strategischer Autonomie.

Die Gründe für diese Situation sind vielfältig. Zum einen fehlte Europa nach dem Niedergang von Firmen wie Symbianoko und Blackberry die Basis für eigene mobile Betriebssysteme. Zum anderen werden Technologieunternehmen oft als Startups gegründet und wachsen in einem hochkapitalisierten Umfeld, ein Vorteil, den amerikanische und chinesische Unternehmen lange hatten.

Für die EU sind solche Erkenntnisse Anlass zu Massnahmen. Die Digital Services Act und andere Regulierungen zielen zwar auf Kontrolle ausländischer Plattformen ab, können aber keine europäischen Alternativen erschaffen. Längerfristig könnte die EU in Forschung und Gründungen investieren, um echte europäische Alternativen zu schaffen.

Für KMU-Betriebe in der Schweiz und Europa bedeutet diese Abhängigkeit praktisch oft weniger, da sie sich auf sichere, etablierte Dienste verlassen können. Aber strategisch ist es ein Problem: Änderungen in US-Gesetzen oder Unternehmensrichtlinien können unmittelbar europäische Betriebe treffen. Dies unterstreicht die Bedeutung von Diversifikation und der Unterstützung lokaler oder europäischer Tech-Alternativen, wo sinnvoll.