Die Verhandlungen zwischen grossen Technologie-Konzernen und Komponentenherstellern bestimmen oft die Marktpreise und Verfügbarkeit von Hardware. Apple hatte sich über Jahrzehnte hinweg einen Ruf als eine der härtesten Verhandler aufgebaut und zwingt Lieferanten regelmässig auf Preisnachlässe durch die Androhung, zu Konkurrenten zu wechseln oder das Volumen zu reduzieren. Dies führte dazu, dass Apple in der Regel die günstigsten NAND-Flash-Preise am Markt erreichte.
Die Situation hat sich jedoch grundlegend verändert. Die künstliche Intelligenz ist zu einer dominierenden Kraft in der Technologie-Industrie geworden, und mit ihr ist die Nachfrage nach Speicherkomponenten geradezu explodiert. Besonders NAND-Flash-Speicher sind knapp, da praktisch alle grossen Tech-Unternehmen massiv in KI-Infrastruktur investieren und riesige Datenmengen speichern und verarbeiten müssen. Google, Microsoft, Meta und andere Tech-Giganten konkurrieren auf dem Markt und treiben die Nachfrage und damit die Preise in die Höhe.
In dieser Konstellation haben NAND-Hersteller wie Samsung, SK Hynix und Kioxia plötzlich mehrere grosse Abnehmer, die bereit sind, auch höhere Preise zu zahlen, um ihre KI-Infrastruktur auszubauen. Dies reduziert Apples Verhandlungsmacht erheblich. Anstatt Apple zu bevormunden, können die Hersteller nun auch andere Kunden bedienen und sind nicht länger auf Apples Volumen angewiesen. Dieser Machtwechsel wird gelegentlich von Branchenkennern als "Rache" der Speicherhersteller interpretiert.
Für KMU-Betreiber hat dies indirekte Auswirkungen. Wenn auch Apple höhere Komponentenpreise zahlen muss, werden diese Kosten langfristig auch auf Konsumenten und Geschäftskunden abgewälzt. Dies unterstreicht auch, wie abhängig die globale Technologie-Lieferkette von einzelnen Rohstoffen und Komponenten ist und wie schnell sich Machtverhältnisse verschieben können. Für Unternehmen mit längerfristigen Beschaffungsplanungen ist dies ein Reminder, sich nicht zu sehr auf ein Produkt oder einen Lieferanten zu verlassen.
