Canonical, das Unternehmen hinter Ubuntu Linux, hat eine wichtige strategische Entscheidung bekannt gegeben: Das Projekt Ubuntu Core Desktop wird nach einer Phase der Stagnation wieder aktiv vorangetrieben. Dies ist bedeutsam für die Linux-Desktop-Landschaft und für Organisationen, die auf Ubuntu-Infrastruktur setzen.
Ubuntu Core Desktop war eine interessante Initiative zur Modernisierung des Standard-Ubuntu-Desktops. Das Konzept basiert auf dem sogenannten "Snap"-Paketformat, das Anwendungen stärker isoliert und selbstverantwortlich macht. Während der klassische Debian-basierte Packaging-Ansatz lange Zeit bewährt ist, ermöglicht Snap modularere Update-Prozesse und schnellere Sicherheits-Patches einzelner Komponenten, da jede Snap unabhängig aktualisiert werden kann.
Mit der neuen Core-26-Basis hat Canonical eine solidere technische Grundlage für das Projekt geschaffen. Core-26 ist das neueste Fundament in Canonicals Core-Version-Reihe und bringt modernere Systemkomponenten sowie bessere Integration mit schneller wachsenden Snap-Ökosystem mit sich. Modulare Snaps bedeuten praktisch, dass Desktop-Komponenten wie der Desktop-Environment, Fenster-Manager, Applikationen und systemnahe Tools separat gepflegt und aktualisiert werden können.
Das Langziel ist ambitioniert: Ubuntu Core Desktop soll irgendwann den aktuellen Standard-Desktop in der Ubuntu-Distribution ablösen. Dies würde eine Transformation der Ubuntu-Architektur bedeuten und hätte Konsequenzen für Sysadmins, die Ubuntu im Produktivbetrieb haben. Ein Snap-basiertes System hat andere Anforderungen hinsichtlich Speicher, Update-Management und Workflow-Automatisierung als ein klassisches dpkg/apt-basiertes System.
Für kleinere IT-Organisationen und Systemadministratoren ist dies eine Entwicklung zum Beobachten. Snap-basierte Desktops könnten langfristig wartungsfreundlicher sein, da weniger Abhängigkeitskaskaden entstehen. Gleichzeitig müssen neue Prozesse und Tools erlernt werden. Organisationen mit grösseren Ubuntu-Desktop-Bestände sollten das Projekt im Auge behalten und bei gelegentlichen Testing-Durchläufen evaluieren, um später nicht überrascht zu werden.
