Die zunehmende Verfügbarkeit leistungsstarker KI-Modelle zwingt Bildungseinrichtungen zur Neuausrichtung ihrer Prüfungs- und Bewertungsmethoden. Der renommierte Mathematiker Richard Borcherds von der University of California in Berkeley hat diesen Wandel radikal vollzogen: Hausaufgaben spielen in seinen Benotungen keine Rolle mehr, sondern bringen nur noch Punkte fürs Abgeben. Onlineprüfungen hält er mittlerweile für wertlos.
Der Hintergrund ist klar: KI-Sprachmodelle können Mathematikaufgaben lösen. Wenn Studierende ihre Hausaufgaben von KI lösen lassen, gibt es keine verlässliche Aussage mehr über ihre tatsächlichen Fähigkeiten. Borcherds' Reaktion ist nicht einfach, den Status quo zu bewahren, sondern die Bewertungslogik komplett zu überdenken. In-Person-Prüfungen und Präsenzleistungen werden relevant, weil sie schwerer zu automatisieren sind.
Diese Entscheidung ist symptomatisch für ein breiteres Problem in der Hochschulwelt. Präsenz-Unterricht war lange als antiquiert angesehen worden, Onlineformate galten als zukunftsweisend, vor allem nach der Covid-19-Pandemie. Doch KI-Systeme machen vollständig digitale Prüfungsformen anfällig für Missbrauch. Das führt dazu, dass Institutionen wieder zu Präsenz-Elementen zurückkehren oder hybrid-Modelle überdenken müssen.
Für IT-Dienstleister ist dies in mehrfacher Hinsicht relevant. Erstens zeigt es, dass Geschäftsmodelle rund um digitale Bildungsplattformen Risiken tragen, falls diese KI-resistent nicht skalierbar sind. Zweitens bedeutet es, dass Schulungen und Zertifizierungen in der IT-Branche ebenfalls überprüft werden sollten. Arbeitet man mit reinen Online-Tests, sind diese möglicherweise bereits kompromittiert. Eine Neuausrichtung auf hybride oder praktische Prüfungsformate könnte notwendig werden, um Qualitätsstandards zu gewährleisten.
