Ein beunruhigender Vorfall zeigt eine Schwachstelle in der Digitalisierung der Einzelhandelsbranche. In mehreren europäischen Ländern wurden Kühlschränke und Tiefkühltruhen von Supermärkten in den sogenannten Abtaumodus versetzt. Das bedeutet, dass die Kühlung ausgeschaltet wurde und die darin gelagerten Lebensmittel aufgetaut sind.
Der Hergang ist klassisch für moderne Cyberangriffe: Angreifer nutzten Fernwartungszugänge, die Techniker normalerweise zur Wartung und Reparatur der Geräte brauchen. Diese Zugangskanäle sind häufig schwach gesichert oder verwenden Standard-Passwörter, die leicht zu erraten sind. Mit Zugang zum Wartungssystem konnten die Angreifer die Geräte aus der Ferne steuern.
Das ist nicht das erste Mal, dass solche Angriffe vorkommen. Bereits in der Vergangenheit wurden französische Supermärkte Ziel ähnlicher Anschläge. Dies deutet auf ein Muster hin: Cyberkriminelle haben erkannt, dass Einzelhandelsketteninfrastrukturen attraktive Ziele bieten. Sie können grössere finanzielle Schäden anrichten, wenn sie Kühlaggregate lahmlegen, und das relativ unauffällig tun.
Der finanzielle Schaden solcher Angriffe ist erheblich. Tausende von Euros wertiger Lebensmittel werden unbrauchbar, hinzu kommen Reparaturen und Betriebsausfallzeiten. Das Problem wird noch drängender, weil immer mehr Einzelhandelstechnik ans Internet angebunden wird.
Für KMU im Lebensmittelhandel oder allgemein in Branchen mit kritischer IT-Infrastruktur (Heizung, Kühlung, Produktion) ist das ein wichtiges Warnzeichen. Fernwartungszugänge und IoT-Geräte müssen streng geschützt werden: starke Passwörter, Netzwerk-Segmentierung, regelmässige Sicherheitsupdates und Monitoring sind essentiell. Ein ausgeschlossenes Gerät im Internet kann schnell zu teuren Ausfallzeiten führen.
