Eine Befragung der deutschen Wirtschaft liefert ein deutliches Signal: Wenn es um künstliche Intelligenz geht, möchten Unternehmen heimische Lösungen. Neunzig-sechs Prozent der teilnehmenden Firmen gaben an, dass sie KI-Anwendungen von deutschen Anbietern bevorzugen würden, unter der Voraussetzung, dass diese Anwendungen verfügbar und im Preis-Leistungs-Verhältnis wettbewerbsfähig sind.
Dieser hohe Anteil reflektiert mehrere Faktoren. Zum einen gibt es Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit: Deutsche und europäische Unternehmen möchten ihre sensiblen Geschäftsdaten nicht notwendigerweise an US-amerikanische Cloud-Provider transferieren. Zum anderen wirkt auch das Thema Vertrauenswürdigkeit: Wer mit einem lokalen Anbieter zusammenarbeitet, kann dessen Geschäftsmodell, Compliance-Praktiken und Ethik-Standards besser überprüfen. Zudem spielt die Idee der technologischen Souveränität eine Rolle, der Wunsch, in kritischen Technologien nicht abhängig von Einzelanbietern aus anderen Ländern zu sein.
Dieser Befund bestätigt auch die politische Agenda, die auf europäischer und deutscher Ebene verfolgt wird: Investitionen in europäische KI-Infrastruktur und Unternehmen, um die Abhängigkeit von US-amerikanischen Tech-Giganten zu reduzieren.
Für Schweizer IT-Dienstleister ergibt sich daraus eine strategische Gelegenheit. Europäische und Schweizer KI-Lösungen können als sichere, vertrauenswürdige Alternativen positioniert werden, besonders für KMU-Kunden mit hohen Compliance-Anforderungen oder Datenschutzsensibilität. Schweizer und europäische Anbieter sollten diese Chance nutzen und ihre Stärken in den Bereichen Datenschutz, Compliance und Transparenz aktiv kommunizieren. Gleichzeitig signalisiert die Umfrage, dass Kunden bereit sind, für Vertrauenswürdigkeit und lokale Expertise möglicherweise kleine Premiumpreise zu akzeptieren. Dies kann für gut positionierte europäische KI-Anbieter ein bedeutender Wettbewerbsvorteil sein.
