Smart Glasses und KI-gestützte Brillen stehen an einem wichtigen Punkt: Die Technik reift heran und wird praktisch einsetzbar, doch ihre gesellschaftlichen Auswirkungen sind umstritten. Einerseits können solche Geräte Menschen mit Behinderungen erheblich helfen, indem sie Textgrössen vergrössern, Objekte erkennen oder Gespräche in Echtzeit übersetzen. Andererseits besteht die berechtigte Sorge vor lückenloser Überwachung.

Das zentrale Problem ist die Kombination aus Kamera, KI und Datenverbindung. Eine Brille mit Kamera zeichnet ständig die Umgebung auf. Ein KI-System kann daraus Informationen extrahieren: Wer sitzt neben mir? Was kaufe ich? Wo lebe ich? Welche Geschäfte besuche ich? Mit dieser Information kombiniert, entstehen detaillierte Profile über Menschen, die diese gar nicht haben wollten. Besonders problematisch wird es, wenn Daten in die Cloud fliessen oder mit Dritten geteilt werden.

Gleichzeitig gibt es legitime Anwendungsfälle. Ein blinder Mensch könnte mit einer Smart Glass den Raum durchqueren, ohne eine Betreuungsperson zu brauchen. Ein Techniker könnte remote-Unterstützung bekommen, während er arbeitet. In diesen Fällen ermöglicht die Technik Teilhabe und Unabhängigkeit.

Die Diskussion bewegt sich zwischen zwei Polen. Regierungen und Datenschützer wollen diese Technologie begrenzen oder regulieren, um Missbrauchspotenziale zu reduzieren. Nutzer und Befürworter sehen die Chancen. Für KMU in der IT ist dies ein zunehmendes Thema, denn Kunden werden fragen, ob und wie sie Smart Glasses in ihren Organisationen einsetzen können. IT-Dienstleister sollten sich mit den Datenschutzaspekten vertraut machen, damit sie ihre Kunden informiert beraten können.